Biographie Prof. Karl Kriete

Prof. Karl Kriete wurde am 24. Juni 1887 in Fähr bei Bremen geboren.
Bereits früh zeigte er Interesse an Kunst und begann 1905 das Studium an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf zu verfolgen, das er 1909 abschloss.
Prof. Karl Kriete war ab 1912 Lehrer an der Kunstgewerbeschule Essen, die später zur Folkwangschule wurde.
Ab 1923 hatte er eine Professur für Angewandte Kunst und Dekorative Malerei inne. Während seiner Laufbahn beeinflusste er zahlreiche Studierende, darunter auch Julo Levin. Zusätzlich wirkte er als privater Mallehrer in der Villa Hügel (Krupp) in Essen.
Das Werk von Prof. Kriete ist tief in der rheinischen sowie in der Worpsweder Kunsttradition verwurzelt.
Während des Ersten Weltkriegs war Prof. Kriete von 1914 bis 1918 am Kriegsgeschehen beteiligt.
Nach dem Krieg trat er 1919 der anthroposophischen Gesellschaft bei, einer geistigen Bewegung, die von Rudolf Steiner ins Leben gerufen wurde. Diese Entscheidung prägte nicht nur sein künstlerisches Schaffen, sondern auch seinen Lebensweg nachhaltig.
Im Jahr 1932 beendete Prof. Karl Kriete seine Lehrtätigkeit, zog 1932 nach Worpswede und lebte dort bis 1941.
Krietes Verbindung zur anthroposophischen Gesellschaft und seine künstlerische Haltung führten zu zunehmenden Schwierigkeiten.
1935 wurde ihm die Mitgliedschaft in der anthroposophischen Gesellschaft verboten, jedoch setzte Kriete seine künstlerische Arbeit fort, auch wenn ihm Ausstellungsmöglichkeiten verwehrt blieben.
1937 erlebte Prof. Karl Kriete einen weiteren Rückschlag, als eines seiner Werke von den Nationalsozialisten in der Kunsthalle Bremen beschlagnahmt wurde.
Zwei Jahre später, 1938, beteiligte er sich im „antifaschistischen Ring“ um den Künstler Franz Harjes, in dessen Rahmen er Flugblätter verteilte und somit gegen das NS-Regime Stellung bezog.
1941 folgte eine Bestrafung durch die Gestapo, als seine Bibliothek in Worpswede beschlagnahmt wurde. Er wurde verhört und es wurde ihm untersagt, Worpswede zu verlassen.
Infolge dieser Repressionen zog Prof. Karl Kriete nach Bremen.
1944 wurde er erneut einberufen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte er einen Antrag auf Anerkennung als Verfolgter des Nationalsozialismus, was jedoch 1953 abgelehnt wurde, trotz seiner Mitgliedschaft in der anthroposophischen Gesellschaft und der Beschlagnahmung seiner Bücher.
Prof. Karl Kriete war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er verstarb am 24. Oktober 1968 in Bremen.
Erster Weltkrieg
Prof Karl Kriete war zunächst Kriegsdienstverweigerer, wurde jedoch im Ersten Weltkrieg als Sanitäter zum Militär eingezogen. Er war unter anderem in Gottenhausen bei Zabern in Frankreich im Stellungskrieg sowie bei Les 8 Maisons de Béthune im Einsatz, wo er im Reserve-Infanterie-Regiment 99 diente. In den Jahren 1917/18 entstanden dort zahlreiche Landschaftsbilder, in denen er seine unmittelbare Umgebung künstlerisch festhielt. Nach Kriegsende kehrte er zu Fuß von Frankreich nach Bremen zurück.

Das Junge Rheinland
Die Künstlervereinigung Das Junge Rheinland wurde am 24. Februar 1919 in Düsseldorf gegründet und entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Netzwerk der rheinischen Avantgarde. Sie bot jungen Künstlerinnen und Künstlern nach dem Ersten Weltkrieg eine Plattform für Austausch, Ausstellungen und künstlerische Erneuerung. Auch Prof. Karl Kriete gehörte zu den aktiv Mitwirkenden dieser aufbruchsstarken Gemeinschaft. Seine Beteiligung unterstreicht sein Engagement für moderne Kunst und seine enge Verbindung zur rheinischen Kunstszene.

Anthroposophie
Prof. Karl Kriete trat 1919 nach dem Ersten Weltkrieg in die Antroposohische Gesellschaft ein. Dies markierte einen entscheidenden Wendepunkt in seinem künstlerischen Schaffen. Die intensive Auseinandersetzung mit den geisteswissenschaftlichen Impulsen der Anthroposophie prägte fortan seine Themenwahl und Bildauffassung nachhaltig. In diesem Zusammenhang veränderte sich auch sein Stil: Seine Arbeiten gewannen an spiritueller Tiefe, symbolischer Verdichtung und innerer Ausdruckskraft.

Folkwangschule Essen und Essener Zeit
Prof. Karl Kriete wirkte ab 1912 als Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Essen, die später in der Folkwangschule aufging. Seit 1923 bekleidete er dort eine Professur für Angewandte Kunst und Dekorative Malerei und prägte in dieser Funktion zahlreiche Studierende, unter ihnen auch Julo Levin. Dabei setzte er sich auch für die Förderung weiblicher Künstlerinnen ein und unterstützte sie in ihrer Entwicklung. Darüber hinaus war er als privater Mallehrer in der Villa Hügel tätig und unterrichtete im Umfeld der Familie Krupp.
Er war zudem als Werbegrafiker sowohl für die Industrie als auch für die Unterhaltungsbranche tätig. Darüber hinaus entwarf er Inneneinrichtungen für Kaffeehäuser, Tanzsäle und Kinos. Auch für die Stadt Essen arbeitete er als Designer und Innenarchitekt; in diesem Zusammenhang schuf er unter anderem ein Fresko für den Rathaussaal. Zusätzlich gestaltete er ein Glasfenster für das Polizeipräsidium in Bochum sowie verschiedene Innenraum- und Dekorationskonzepte für den Essener Einzelhandel.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit lag auf kirchlichen Motiven, die er für Trauerkapellen und Kirchen entwickelte.

Zweiter Weltkrieg
1941 wurde Karl Kriete von der Gestapo in Worpswede verhört; im Anschluss beschlagnahmten die Nationalsozialisten seine Bibliothek. 1944 wurde er gegen seinen Willen zum Militärdienst eingezogen und in Bremerhaven stationiert, wo er den Eingang der Weser bewachen musste. Nach Kriegsende paddelte er zunächst mit einem Kanu die Weser hinauf bis nach Bremen und kehrte von dort zu Fuß nach Worpswede zurück. Die Erfahrungen dieser Jahre fanden während und nach dem Krieg ihren Niederschlag in seinem künstlerischen Werk.

Worpswede
Prof. Kriete war von 1932 - 41 wohnhaft in Worpswede. Hier fühlte er sich der Landschaft und Tradition eng verbunden. Entsprechend widmete er sich in seinem Werk immer wieder den typischen Worpsweder Motiven – den Moorlandschaften, Bauern und Torfstechern und der stillen Weite und Flüsse der norddeutschen Natur.

Bremen-Lesum
Aufgrund der eingeschränkten künstlerischen Freiheit während des Zweiten Weltkriegs verlagerte Prof. Kriete seinen Tätigkeitsschwerpunkt zunehmend auf Bau- und Architekturprojekte – eine Ausrichtung, die er auch in der Nachkriegszeit beibehielt. So entwarf er unter anderem ein Kino in Bremen-Vegesack.
Gleichzeitig blieb er der Landschaftsmalerei verbunden und schuf Werke mit Motiven aus der Umgebung, etwa vom Knoops Park sowie von den Flüssen Weser und Lesum. Hier befand sich auch sein Atelier.
